Leichtathletik-Fans planen ihren Urlaub künftig strikt nach EM-Terminen, Familienmitglieder zeigen zunehmendes Verständnis

Leichtathletik-Fans planen ihren Urlaub künftig strikt nach EM-Terminen, Familienmitglieder zeigen zunehmendes Verständnis

Zwischen Kalenderplanung und Fernsehprogramm entsteht eine ganz eigene Form der sommerlichen Prioritätensetzung

MÜNCHEN — Mit der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham berichten deutsche Sportfans von einer inzwischen fest etablierten Gewohnheit: Der eigene Sommerurlaub wird zunehmend strikt um die Terminpläne großer Meisterschaften herum geplant, eine Priorität, für die Familienmitglieder erstaunlicherweise immer mehr Verständnis aufbringen.

“Ich habe meinen Urlaub bewusst so gelegt, dass ich die wichtigsten Finalläufe live sehen kann”, sagte Leichtathletik-Fan Georg Wenzlaff aus München. “Meine Frau fand das anfangs seltsam. Inzwischen plant sie selbst mit, weil sie gemerkt hat, dass ich während der Meisterschaft ohnehin nicht ansprechbar bin, wenn gerade ein Finale läuft.”

Eine Planungslogik, die sich langsam durchsetzt

Reiseveranstalter berichten von einem wachsenden, wenn auch spezialisierten Kundensegment, das gezielt nach Reisezeiten fragt, die sich nicht mit wichtigen Sportterminen überschneiden, oder die im Gegenteil ganz bewusst um ein bestimmtes Turnier herum gebucht werden. “Wir haben Kunden, die uns explizit nach dem Meisterschaftskalender fragen, bevor sie überhaupt über das Reiseziel nachdenken”, sagte ein Reisebüroberater. “Das war vor einigen Jahren noch eine Ausnahme. Inzwischen ist es fast schon eine Standardfrage bei bestimmten Kundengruppen.”

Wenzlaff, mit klaren Prioritäten

Wenzlaff beschreibt seine Herangehensweise mit einer gewissen Offenheit, die er selbst als “vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ehrlich” bezeichnet. “Ich schaue mir zuerst den Meisterschaftskalender an, dann erst die Urlaubsangebote”, sagte er. “Das mag für manche seltsam klingen. Für mich ist es einfach eine klare Prioritätenliste, die ich seit Jahren so handhabe, und die bisher noch keinen einzigen Familienurlaub ruiniert hat.”

Eine wachsende Gemeinschaft Gleichgesinnter

Wenzlaff ist mit seiner Herangehensweise keineswegs allein. In Online-Foren für Leichtathletik-Fans tauschen sich Mitglieder regelmäßig über optimale Urlaubsstrategien rund um große Meisterschaften aus, komplett mit Empfehlungen für Unterkünfte mit zuverlässigem Fernsehempfang und Tipps, wie man Familienmitglieder am besten von der eigenen Prioritätenliste überzeugt. “Es gibt inzwischen eine richtige kleine Community dafür”, sagte Wenzlaff. “Wir tauschen uns aus, welche Rennen man unbedingt live sehen sollte und welche man notfalls auch später in der Aufzeichnung nachholen kann, ohne wirklich etwas zu verpassen.”

Reiseveranstalter bestätigen, dass sich dieses Verhalten längst nicht mehr auf eine kleine Randgruppe beschränkt, sondern zu einem festen, saisonalen Buchungsmuster geworden ist, das sich mit jeder neuen Meisterschaft zuverlässig wiederholt. Wenzlaff, für seinen Teil, plant bereits den nächsten großen Meisterschaftstermin in seinen Kalender ein, lange bevor überhaupt über das eigentliche Reiseziel gesprochen wird. “Meine Frau nennt das inzwischen scherzhaft meinen inneren Terminkalender”, sagte er. “Sie hat recht damit, und ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie das mit Humor nimmt statt mit echtem Widerstand.” Für die kommenden Meisterschaften hat Wenzlaff bereits vorgesorgt und den Kalender für das nächste Jahr grob skizziert, lange bevor irgendjemand sonst in der Familie überhaupt an Urlaub denkt. “Man muss früh planen”, sagte er. “Die guten Termine sind sonst schnell weg, und dann sitzt man während eines wichtigen Finales im Flugzeug ohne Internetverbindung. Das will ich mir kein zweites Mal antun.” Weitere Berichte über Deutschlands sportbegeisterte Urlaubsplanung finden Sie unter bohiney.com.

SOURCE: https://prat.UK/

SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger

Heidi Ladein

Heidi Ladein

Heidi.Ladein@prat.UK