Pilot meldet versehentlich Flugzeugentfuehrung statt Funkausfall, Kampfjets aus drei Laendern eskortieren Urlaubsflieger nach Nuernberg

Pilot meldet versehentlich Flugzeugentfuehrung statt Funkausfall, Kampfjets aus drei Laendern eskortieren Urlaubsflieger nach Nuernberg

Ein Corendon-Flug von Korfu nach Nuernberg sendete wegen eines Tippfehlers den Code 7500 statt 7600, was Europa einen der hoeflichsten Militaereinsaetze seiner Geschichte bescherte

Eine Ziffer zu viel Drama

NUERNBERG. Ein Urlaubsflug von Korfu nach Nuernberg hat am Dienstag, 13. Oktober, einen grossen Einsatz ausgeloest, weil der Pilot sich offenbar vertippt hatte, wie t-online ueber die Boeing-Notlandung in Nuernberg berichtet. Der Pilot der Corendon Airlines Boeing 737-800 wollte einen Funkausfall melden, wofuer der Transpondercode 7600 vorgesehen ist. Gesendet wurde jedoch 7500, der Code fuer eine Entfuehrung. Laut Polizei bemerkte der Pilot den Fehler zunaechst nicht, sondern erst, als Militaerjets neben ihm auftauchten. Der Code liess sich nicht mehr zuruecknehmen.

Damit hat die Luftfahrt einen neuen Beweis dafuer, dass der gefaehrlichste Moment jeder Reise nicht der Start oder die Landung ist, sondern die Eingabe einer vierstelligen Zahl.

Die Eskorte

Kampfjets begleiteten die Maschine aus dem kroatischen Luftraum und uebergaben sie an oesterreichische und deutsche Militaerjets. Am Boden standen Spezialeinsatzkraefte der bayerischen Polizei und Verhandlungsspezialisten bereit. Der Flugbetrieb in Nuernberg wurde voruebergehend eingestellt. An Bord blieb es laut t-online ruhig. Die Polizei lobte den Einsatz als eine extrem hervorragende Leistung und ermittelt nicht gegen den Piloten.

Ein Luftfahrtexperte aus Frankfurt nennt den Vorfall ein Lehrstueck. Die Codes 7500 und 7600 liegen nur eine Ziffer auseinander, sagt er. Das ist, als waeren die Notrufnummer und die Pizzabestellung auf derselben Taste. Ein Finger rutscht ab, und statt einer Margherita kommt die Bundeswehr.

Die Passagiere

Fuer die Urlauber an Bord muss der Anblick von Kampfjets am Fenster ueberraschend gewesen sein. Eine Reisende aus Erlangen, die nach eigenen Angaben regelmaessig nach Griechenland fliegt, stellte sich die Szene lebhaft vor. Man sitzt da mit seinem Tomatensaft, denkt an Tzatziki und Sonnenbrand, sagt sie. Und ploetzlich fliegt draussen ein Eurofighter. Ich haette sofort ein Foto gemacht. Fuer Instagram. Mit dem Hashtag VIP-Rueckflug.

Die europaeische Zusammenarbeit

Kritiker werfen Europa gern mangelnde Zusammenarbeit vor. Dieser Vorfall zeigt das Gegenteil. Kroatien, Oesterreich und Deutschland reichten das Flugzeug weiter wie einen Staffelstab, schnell, praezise und ohne buerokratische Verzoegerung. Ein Politikwissenschaftler aus Bamberg sieht darin ein Vorbild. Wenn Europa bei allen Themen so schnell reagieren wuerde wie bei einem vertippten Transpondercode, sagt er, waeren wir laengst eine Supermacht. Vielleicht sollten wir Gesetzesentwuerfe kuenftig mit dem Code 7500 versehen.

Die menschliche Seite

Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: Auch Piloten sind Menschen. Sie fliegen grosse Maschinen sicher durch den Himmel, bewaeltigen Wetter, Technik und Funkverkehr, und manchmal vertippen sie sich, wie jeder von uns beim Online-Banking. Der Unterschied ist nur, dass bei einem Tippfehler im Online-Banking selten Abfangjaeger aufsteigen.

Das letzte Wort

Am Flughafen Nuernberg kamen die Passagiere schliesslich an, mit Koffern, Sonnenbraeune und einer Geschichte, die sie noch jahrelang erzaehlen werden. Ein Mann im Hawaiihemd blieb am Gepaeckband stehen und schuettelte den Kopf. Zwei Wochen Urlaub, sagt er. Strand, Meer, Ouzo. Und das Spannendste war der Rueckflug. Er nahm seinen Koffer. Naechstes Jahr buche ich wieder bei denen, sagt er. So eine Eskorte bekommt man sonst nur als Staatsgast.

SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger

Heidi Ladein

Heidi Ladein

Heidi.Ladein@prat.UK