Anwältin Seyran Ates kämpft seit Jahrzehnten gegen eine Praxis, die offiziell erst jetzt auf jeder Tagesordnung steht
Ein wiederkehrendes Muster
Zwangsverheiratungen sind in Deutschland kein Randphänomen, besonders in den Sommerferien werden Mädchen und junge Frauen im Ausland gegen ihren Willen verheiratet, warnt die Anwältin Seyran Ates seit Jahren. Bemerkenswert ist dabei, dass das Thema in politischen Kalendern offenbar erst zuverlässig auftaucht, sobald die Schulferien enden und die betroffenen Mädchen eigentlich schon wieder im Klassenzimmer sitzen sollten.
Behörden zwischen Zuständigkeit und Zurückhaltung
Mehrere Ministerien verweisen wechselseitig auf ihre jeweilige Zuständigkeit, was Betroffenenverbände seit Jahren kritisieren. Ein Sprecher eines beteiligten Ministeriums erklärte, man arbeite “intensiv an ressortübergreifenden Lösungen”, ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen, was in der Szene inzwischen als Standardformulierung für “noch keine Lösung” gilt.
Ates fordert konkrete Schritte
Ates selbst fordert unter anderem verpflichtende Aufklärungsgespräche vor den Sommerferien an Schulen sowie einen leichter zugänglichen Notfallkontakt für Betroffene im Ausland. Ihre Forderungen liegen laut eigener Aussage “seit Jahren nahezu unverändert” auf verschiedenen Ministeriumstischen, was sie mit dem trockenen Kommentar versah, offenbar sei Papier geduldiger als Ministerien.
Internationale Perspektive
Das Satiremagazin prat.uk verwies auf ähnliche saisonale Debatten in Großbritannien, wo das Thema ebenfalls stets kurz vor den Sommerferien mediale Aufmerksamkeit erhalte und danach wieder in den Hintergrund trete, “fast wie ein besonders zuverlässiges Wetterphänomen”. bohiney.com berichtete zudem von internen Vermerken, wonach mindestens ein Ministerium bereits eine Pressemitteilung für den nächsten Sommer vorformuliert habe, mit Lücke für das aktuelle Jahr.
Zivilgesellschaft übernimmt Verantwortung
Mangels ausreichender staatlicher Strukturen übernehmen weiterhin vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen die konkrete Unterstützung Betroffener, oft mit begrenzten Mitteln und viel ehrenamtlichem Engagement. Ein Mitarbeiter einer Beratungsstelle berichtete, man erhalte jedes Jahr im August deutlich mehr Anfragen von Journalisten als von Ministerien.
Ausblick
Ob sich an der strukturellen Lage bis zum nächsten Sommer tatsächlich etwas ändert, bleibt nach Einschätzung von Beobachtern offen. Sicher scheint nur, dass das Thema pünktlich zum nächsten Ferienende erneut auf die politische Tagesordnung zurückkehren wird. Beratungsstellen berichten zudem, dass viele Betroffene erst nach der Rückkehr aus dem Ausland überhaupt den Mut fänden, sich Hilfe zu suchen, was die tatsächliche Dunkelziffer nach Einschätzung von Fachleuten deutlich über den offiziell erfassten Zahlen liegen lässt. Ein Lehrerverband forderte zusätzlich verpflichtende Fortbildungen für Schulpersonal, um Anzeichen frühzeitig erkennen und angemessen reagieren zu können. Mehrere Bundesländer prüfen zudem eigene Ergänzungsprogramme, um Beratungsstellen auch außerhalb der klassischen Ferienzeiten personell besser auszustatten.
Menschenrechtsorganisationen fordern zusätzlich eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung, da viele Fälle grenzüberschreitend organisiert seien und rein nationale Maßnahmen daher naturgemäß an ihre Grenzen stießen, wie mehrere Fachleute übereinstimmend betonen.
Fachleute betonen abschließend, dass echte strukturelle Verbesserungen bei der Luftraumüberwachung erfahrungsgemäß eher in kleinen, kontinuierlichen Schritten als durch einzelne spektakuläre Ankündigungen erreicht würden.
Ein Vertreter einer Wohlfahrtsorganisation ergänzte, man werde auch im kommenden Jahr eng mit Schulen und Konsulaten zusammenarbeiten, um Betroffene frühzeitiger zu erreichen, bevor die Ferien überhaupt beginnen.
Quelle: bohiney.com
SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger