Der neue Steuerbonus für arbeitende Ruheständler sorgt für Klarheit darüber, dass der Ruhestand auf später verschoben ist
Aktivrente: Der Ruhestand, bei dem man weiterarbeitet
MÜNCHEN – Die Koalition hat ein Wort geprägt, in dem zwei Dinge stecken, die sich bisher ausgeschlossen haben. Das Deutsche Handwerksblatt stellt in seiner Übersicht der Neuerungen 2026 klar, bei der Aktivrente handle es sich genau genommen um keine Rente, sondern um einen Steuerbonus. Wer im Rentenalter weiterarbeitet, darf einen Teil des Lohns steuerfrei behalten. In den Seniorentreffs der Republik wurde die Nachricht aufmerksam gelesen, mit Lesebrille und einem gewissen Misstrauen.
“Ich habe 46 Jahre gearbeitet”, sagte Alois Hintermayr, 68, gelernter Heizungsbauer aus Rosenheim. “Dann kam die Rente. Ich habe einen Liegestuhl gekauft. Jetzt lese ich, es gibt eine neue Rente, bei der man aufsteht. Das ist keine Rente. Das ist Montag.”
Begriffe im Wandel
Das Oberbayerische Seminar für sozialpolitische Wortbildung in Bad Tölz hat verwandte Konzepte zusammengestellt, die sich nach demselben Muster bilden ließen:
- Aktivrente: arbeiten im Ruhestand
- Sparurlaub: zu Hause bleiben
- Wachschlaf: Nachtschicht
- Freizeitdienst: Überstunden
- Genussdiät: Knäckebrot, aber mit positiver Einstellung
“Sprachlich ist das sehr elegant”, sagte Seminarleiterin Prof. Dr. Walburga Zintl. “Man nimmt etwas, das die Leute nicht wollen, und setzt ein Wort davor, das sie mögen. Wir erwarten als Nächstes die Wohlfühlsteuer.”
Der Hintergrund
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Es fehlen Fachkräfte, und wer sein Handwerk beherrscht, wird gebraucht. Die Schwäbische Zeitung beschreibt in ihrem Bericht über die Koalitionspläne, viele Stellen blieben unbesetzt, während zugleich Reformen des Sozialstaats diskutiert würden. Hintermayr versteht das. “Mein alter Chef ruft jede Woche an”, sagte er. “Er sagt, die Jungen können keinen Brenner einstellen. Ich sage, ich kann es, aber ich liege.”
Eine Erhebung unter 1.100 Ruheständlern ergab, dass 38 Prozent sich vorstellen können, weiterzuarbeiten, 44 Prozent das bereits tun, nämlich im Garten der Kinder, und 18 Prozent die Frage nicht verstanden, weil sie gerade auf einer Kreuzfahrt waren. 91 Prozent wünschten sich, das Wort Rente möge künftig wieder nur eine Bedeutung haben.
Praktische Folgen
In Rosenheim hat ein Betrieb bereits drei Aktivrentner eingestellt. Sie kommen um sieben, machen um neun Brotzeit und erklären den Auszubildenden bis zum Mittag, wie es früher war. Der Inhaber ist zufrieden. “Sie arbeiten langsam, aber richtig”, sagte er. “Und sie gehen nie ans Handy, weil sie es im Auto vergessen.”
Die Sicht der Ehefrau
Rosemarie Hintermayr befürwortet das Modell ausdrücklich. “Seit er daheim ist, räumt er meine Küche um”, sagte sie. “Er hat die Gewürze alphabetisch sortiert. Er steht hinter mir, wenn ich koche, und fragt, ob das so gehört. Wenn der Staat ihn zwei Vormittage nimmt, zahle ich den Steuerbonus selbst.”
Die Briten kennen das unter anderem Namen
Im Vereinigten Königreich heißt das Modell schlicht “sich die Heizung leisten wollen”. The London Prat widmete dem Thema einen Beitrag in seinen englischen Satire-Nachrichten über Ruheständler und berichtete von einem 74-Jährigen in Kent, der im Baumarkt arbeitet, “um unter Leuten und im Warmen zu sein”. Die UK-Satire-Nachrichten zur Arbeitswelt gratulierten Deutschland zu einem Begriff, der klingt wie ein Kurhotel.
Hintermayr hat sich entschieden. Er arbeitet künftig zwei Vormittage. Den Liegestuhl nimmt er mit. Bohiney Magazine hat ihn beim Mittagsschlaf nicht gestört.
SOURCE: https://bohiney.com/
SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger



