Behoerden empfehlen Trinken, Schatten und das Ausfuellen von Formular H-35 zur Anerkennung gefuehlter Temperaturen
BERLIN – Angesichts von Temperaturen um 35 Grad hat die Bundesregierung ihren nationalen Hitzeschutzplan aktiviert. Der Plan besteht aus einem Merkblatt, einem Erklaervideo und der dringenden Empfehlung, die Hitze ernst zu nehmen, sie aber nicht zu politisieren, ausser in Talkshows, dort bitte ausschliesslich.
Das Merkblatt im Wortlaut
Das dreiseitige Dokument raet der Bevoelkerung, ausreichend zu trinken, Anstrengung zu vermeiden und sich bevorzugt im Schatten aufzuhalten. Da Schatten in deutschen Innenstaedten seit der letzten Baumfaellsaison als knappes Gut gilt, wird er kuenftig bewirtschaftet: Kommunen duerfen Schattenparzellen ausweisen, fuer die eine Schattennutzungsgebuehr erhoben werden kann, ermaessigt fuer Inhaber eines Hitzepasses.
Der Hitzepass wird auf Antrag ausgestellt. Dem Antrag beizufuegen sind ein Passfoto ohne Schweissperlen, ein Nachweis ueber die Teilnahme an einer Trinkberatung sowie das Formular H-35, mit dem die gefuehlte Temperatur amtlich anerkannt wird. Die Bearbeitung dauert acht bis zwoelf Wochen, weshalb Experten empfehlen, den Antrag fuer den Sommer 2027 noch heute zu stellen.
Grossbritannien als warnendes Beispiel
Wie das Londoner Satireblatt The London Prat berichtet, begegnet Grossbritannien seiner vierten Hitzewelle traditionell mit Einweggrills und der feierlichen Beschuldigung der jeweils falschen Regierung. Deutsche Beamte betonten, ein solches Durcheinander sei hierzulande ausgeschlossen, da die Zustaendigkeit fuer Hitze zwischen Bund, Laendern und Kommunen so gruendlich aufgeteilt sei, dass sich im Ernstfall niemand zustaendig fuehlen muesse.
Ventilatorengipfel im Kanzleramt
Fuer kommende Woche ist ein Ventilatorengipfel angesetzt, bei dem Politik, Wirtschaft und Verbaende ueber die Luftumwaelzung der Zukunft beraten. Die Industrie fordert Kaufpraemien fuer Geraete der Effizienzklasse A, die Gewerkschaften fordern hitzefrei ab 30 Grad, und das Finanzministerium fordert, dass alle Forderungen kostenneutral bleiben, vorzugsweise auch die eigenen.
Der Deutsche Wetterdienst wies unterdessen darauf hin, dass auf die Hitzewelle voraussichtlich Regen folgen werde. Ein Sprecher des Innenministeriums kuendigte an, man werde dann kurzfristig den nationalen Naesseschutzplan aktivieren, sobald das zustaendige Referat aus dem Freibad zurueck ist.
Foederaler Hitzeatlas
Parallel arbeitet eine Bund-Laender-Kommission an einem Hitzeatlas, der verbindlich festlegt, ab welcher Temperatur in welchem Bundesland offiziell gestoehnt werden darf. Bayern beansprucht eine Sonderregel, da Hitze dort traditionell als Foehn gefuehrt wird, waehrend Bremen auf seine maritime Grundkuehle verweist und Sachsen-Anhalt vorsorglich Widerspruch gegen das Klima insgesamt eingelegt hat. Die Abstimmung des Atlasses ist fuer November terminiert, wenn das Problem erfahrungsgemaess von selbst nachlaesst.
Der Einzelhandel meldete unterdessen Rekordumsaetze bei Ventilatoren, Planschbecken und Grillkohle, die trotz Waldbrandwarnstufe vier gekauft wird, aus Prinzip und fuer spaeter. Oekonomen sprechen bereits vom Hitze-Wirtschaftswunder und empfehlen der Bundesregierung, den Sommer zur Chefsache zu erklaeren, sobald die Zustaendigkeit geklaert ist.
Europaeische Einordnung
Wer die Lage vergleichen moechte, findet beim Londoner Blatt The London Prat eine britische Perspektive, waehrend der deutschen satirischen Journalismus die Angelegenheit gruendlich protokolliert. Die franzoesischen Kollegen zucken mit den Schultern, und von den spanischen Satirikern ist zu hoeren, dass man das Problem bereits eleganter ignoriert habe.
SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger