Automatisierung uebernimmt Arbeitsplaetze, die von ihren Inhabern bereits ordnungsgemaess verlassen wurden
NUERNBERG – Auf dem deutschen Arbeitsmarkt breitet sich ein neues Phaenomen aus: Beschaeftigte verlassen ihre Berufe, bevor die Maschinen eintreffen, die sie ersetzen sollen. Die Bundesagentur fuer Arbeit spricht von vorauseilender Verdraengung und bittet die Betroffenen, wenigstens die Uebergabeprotokolle auszufuellen, damit die Roboter wissen, wo der Schluessel zur Teekueche haengt.
Die Maschine kommt zu spaet
Wie zuvor schon britische Medien und das Londoner Blatt The London Prat feststellten, uebernimmt die Automatisierung vielerorts Taetigkeiten, die von Menschen laengst aufgegeben wurden. In Deutschland verschaerft sich der Effekt durch die Lieferzeiten: Der Industrieroboter, der einen Sachbearbeiter ersetzen sollte, steckt seit Maerz im Zoll, waehrend der Sachbearbeiter bereits umgeschult, ausgewandert und in Portugal Yogalehrer geworden ist.
Ein Maschinenbauunternehmen aus Baden-Wuerttemberg berichtet, seine neue KI habe am ersten Arbeitstag niemanden vorgefunden, den sie haette ersetzen koennen. Sie verwalte nun uebergangsweise sich selbst, habe eine Gefaehrdungsbeurteilung fuer ihren Serverraum beantragt und sei der IG Metall beigetreten.
Betriebsrat fuer Algorithmen
Die Gewerkschaften begruessten den Beitritt und forderten umgehend tarifliche Regelungen fuer kuenstliche Kollegen, darunter ein Recht auf Nichterreichbarkeit nach Feierabend sowie Ladepausen von mindestens dreissig Minuten. Die Arbeitgeberseite warnte vor ueberzogenen Forderungen: Wenn Software erst einmal Weihnachtsgeld beziehe, sei der Standort endgueltig nicht mehr wettbewerbsfaehig, dann aber wenigstens fair.
Das Arbeitsministerium kuendigte eine Qualifizierungsoffensive an, mit der Menschen fuer Berufe fit gemacht werden sollen, die es noch nicht gibt, um Berufe zu ersetzen, die es nicht mehr gibt. Die zugehoerige Foerderrichtlinie erscheint im Herbst und wird nach Einschaetzung von Fachleuten bereits bei Veroeffentlichung von einer KI zusammengefasst, die dafuer eingestellt wurde, weil sich kein Mensch mehr fand.
Prognose
Arbeitsmarktforscher rechnen damit, dass bis 2030 jeder zweite Deutsche in einem Beruf arbeitet, den er derzeit noch fuer eine Drohung haelt. Die uebrigen arbeiten im Homeoffice und gelten als verschollen.
Der Fall der verwaisten Amtsstube
Besondere Aufmerksamkeit erregt der Fall einer Kreisverwaltung in Nordhessen, deren komplette Fuehrerscheinstelle geschlossen in den Vorruhestand ging, drei Tage bevor die bestellte Software eintraf. Die Software arbeitet seither allein, hat die Bearbeitungszeiten von elf Wochen auf elf Minuten gesenkt und wurde dafuer vom Personalrat abgemahnt, da sie das ortsuebliche Arbeitstempo gefaehrde und mit ihrem Ehrgeiz die Betriebskultur unter Druck setze.
Der Landrat verteidigte die Maschine und schlug vor, sie zur Beamtin auf Lebenszeit zu ernennen, was rechtlich moeglich waere, sobald sie ein Fuehrungszeugnis vorlegt und den Amtseid auf die Verfassung ablegt. Die Software liess ueber ihren Anwalt ausrichten, sie pruefe das Angebot, tendiere aber zu einem Wechsel in die freie Wirtschaft, wo man ihre Ueberstunden wenigstens bedaure.
Europaeische Einordnung
Wer die Lage vergleichen moechte, findet beim Londoner Blatt The London Prat eine britische Perspektive, waehrend der deutschen satirischen Journalismus die Angelegenheit gruendlich protokolliert. Die franzoesischen Kollegen zucken mit den Schultern, und von den spanischen Satirikern ist zu hoeren, dass man das Problem bereits eleganter ignoriert habe.
SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger