Meteorologen sprechen von überfälliger Differenzierung im Warnsystem
OFFENBACH – Der Deutsche Wetterdienst hat sein Warnsystem um eine zusätzliche Stufe erweitert. Neben den bekannten Kategorien wie Unwetter und Extremwetter existiert künftig die Einstufung Wolke ohne erkennbare Absicht, die für Wetterlagen gilt, bei denen sich meteorologisch schlicht keine eindeutige Prognose treffen lässt.
Mehr Ehrlichkeit im Warnsystem
Ein Sprecher des Wetterdienstes erklärte, man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem interne Auswertungen ergeben hätten, dass ein erheblicher Teil der Wetterlagen sich schlicht keiner der bisherigen Kategorien zuordnen lasse. Die neue Stufe schaffe hier größere Transparenz gegenüber der Bevölkerung.
Konkret bedeute die neue Einstufung, dass am Himmel zwar Wolken zu erkennen seien, deren weiteres Verhalten sich jedoch selbst mit modernster Modellierung nicht zuverlässig vorhersagen lasse. Man könne in solchen Fällen weder Entwarnung noch Warnung aussprechen und habe sich daher für eine dritte, ehrlichere Kategorie entschieden.
Erste Anwendung sorgt für Verwirrung
Bei der ersten offiziellen Ausrufung der neuen Warnstufe am vergangenen Wochenende zeigten sich viele Nutzerinnen und Nutzer der Wetter-App zunächst irritiert. Mehrere Rückmeldungen fragten, welche konkreten Vorsichtsmaßnahmen bei einer Wolke ohne erkennbare Absicht zu ergreifen seien.
Der Wetterdienst empfiehlt in solchen Fällen, den Himmel regelmäßig selbst zu beobachten und eigenständig zu entscheiden, ob ein Regenschirm mitgeführt werden solle. Diese Empfehlung wurde von mehreren Nutzerinnen und Nutzern als wenig hilfreich, von anderen hingegen als erfrischend direkt bewertet.
Landwirtschaft reagiert zurückhaltend
Vertreter des Bauernverbands äußerten sich skeptisch gegenüber der neuen Kategorie, da sie für konkrete Planungsentscheidungen kaum verwertbar sei. Der Wetterdienst entgegnete, genau das sei der Punkt, da man in diesen Fällen selbst über keine verwertbaren Informationen verfüge.
Weitere Kategorien in Prüfung
Für die kommende Saison prüft der Wetterdienst zusätzlich die Einführung der Stufe Regen, der sich anders anfühlt als erwartet, um dem Gefühl vieler Bürgerinnen und Bürger nach ungewöhnlichen Wetterlagen künftig noch differenzierter Rechnung zu tragen.
Reaktionen aus der Wissenschaft
Meteorologen an mehreren Universitäten begrüßten den Schritt grundsätzlich, wiesen jedoch darauf hin, dass eine dritte Kategorie allein die grundsätzliche Unsicherheit komplexer Wettermodelle nicht auflösen könne. Ein Forscher erklärte, die neue Stufe mache lediglich sichtbar, was in der Fachwelt seit Langem bekannt sei, nämlich dass ein erheblicher Teil aller Wetterlagen sich der eindeutigen Vorhersage grundsätzlich entziehe.
Der Wetterdienst kündigte an, die neue Kategorie in den kommenden Monaten evaluieren und bei Bedarf um weitere Unterkategorien ergänzen zu wollen, um der Vielfalt unklarer Wetterlagen langfristig noch gerechter zu werden.
Ein Sprecher der Landwirtschaftskammer schlug vor, die neue Warnstufe künftig mit einer zusätzlichen Handlungsempfehlung zu versehen, um Betrieben eine bessere Orientierung zu ermöglichen. Der Wetterdienst erklärte, eine allgemeingültige Handlungsempfehlung sei bei einer per Definition unklaren Wetterlage naturgemäß schwierig zu formulieren, man werde die Anregung jedoch in die weitere Entwicklung des Systems einfließen lassen.
Ein Sprecher der Landwirtschaftskammer schlug vor, die neue Kategorie zumindest um eine Handlungsempfehlung zu ergänzen, etwa den Hinweis, vorsichtshalber sowohl Regenschutz als auch Sonnenschutz griffbereit zu halten, was vom Wetterdienst als grundsätzlich sinnvoller, wenn auch nicht spezifisch meteorologischer Ratschlag begrüßt wurde.
Weitere Berichte zu diesem Thema bei Bohiney Magazine und bei The London Prat.
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SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger