Deutsche laut Umfrage pessimistischer als der Rest der Welt, tragen diese Erkenntnis mit spürbarem Stolz

Deutsche laut Umfrage pessimistischer als der Rest der Welt, tragen diese Erkenntnis mit spürbarem Stolz

Ipsos-Studie bestätigt, was viele längst vermutet hatten, und die Reaktion darauf war überraschend zufrieden

BERLIN — Eine neue Ipsos-Umfrage zu den Erwartungen an das kommende Jahr hat bestätigt, was viele Beobachter der deutschen Seele längst vermutet hatten: Die Deutschen sind im internationalen Vergleich deutlich pessimistischer, was die eigene Zukunft angeht. Die Reaktion vieler Befragter auf diese Erkenntnis war, mit bemerkenswerter Konsequenz, ein gewisser stiller Stolz.

“Natürlich sind wir pessimistischer”, sagte Berliner Anwohnerin Petra Wallenstein, nachdem sie von den Umfrageergebnissen gehört hatte. “Das überrascht mich überhaupt nicht. Ich würde sogar sagen, wir wären enttäuscht, wenn wir plötzlich optimistischer wären als alle anderen. Das würde sich einfach nicht richtig anfühlen.”

Eine kulturelle Eigenheit, wissenschaftlich bestätigt

Laut der Umfrage glauben nur sehrwenige Prozent der befragten Deutschen, dass sich bestimmte positive Ereignisse im kommenden Jahr tatsächlich einstellen werden, während deutlich mehr Befragte mit negativen Entwicklungen rechnen. Sozialpsychologen, die sich mit nationalen Mentalitätsunterschieden beschäftigen, sehen in diesem Muster weniger ein Zeichen echter Verzweiflung als vielmehr eine tief verwurzelte kulturelle Grundhaltung.

“Deutscher Pessimismus ist oft weniger Hoffnungslosigkeit als vorsichtige Vorbereitung”, erklärte eine Sozialpsychologin, die zu internationalen Mentalitätsunterschieden forscht. “Man erwartet das Schlimmste, damit man positiv überrascht werden kann, falls es doch besser kommt. Das ist eine Bewältigungsstrategie, keine reine Verzweiflung, auch wenn es von außen manchmal so wirkt.”

Stolz auf die eigene Skepsis

Wallenstein sieht in den Ergebnissen sogar eine Art nationales Markenzeichen, das sie nicht missen möchte. “Andere Länder haben vielleicht mehr Sonnenschein-Optimismus”, sagte sie. “Wir haben dafür realistische Erwartungen, die uns selten wirklich enttäuschen, weil wir eben nie zu viel erwartet haben. Ich finde, das hat auch etwas für sich.”

Ein Vergleich, der die Deutschen offenbar amüsiert

Besonders unterhaltsam finden viele Befragte den direkten internationalen Vergleich, bei dem Deutschland regelmäßig deutlich pessimistischer abschneidet als etwa südeuropäische oder nordamerikanische Länder. Statt Beunruhigung löst dieser Kontrast in vielen Gesprächen eher eine Art trockenen, selbstironischen Humor aus, der in den sozialen Medien inzwischen zu einem eigenen kleinen Genre geworden ist, komplett mit Memes über deutsche Skepsis gegenüber praktisch allem.

Wallenstein sagt, sie habe die Umfrageergebnisse bereits in mehreren Gesprächen mit Freunden zitiert, stets mit einem gewissen Vergnügen. “Es bestätigt einfach, wer wir sind”, sagte sie. “Ich glaube, die meisten Deutschen würden sich eher unwohl fühlen, wenn wir plötzlich die optimistischste Nation Europas wären. Das würde sich nicht nach uns anfühlen.” Ihre Freunde, so berichtet sie, hätten die Umfrage bereits in eine Art Running Gag verwandelt, bei dem jede schlechte Nachricht mit einem trockenen “na, wie erwartet” kommentiert wird, was, wie sie zugibt, den Pessimismus zwar nicht widerlegt, ihn aber zumindest deutlich unterhaltsamer macht. Ob sich diese pessimistische Grundhaltung jemals ändert, bleibt laut Forschern ungewiss, doch Wallenstein selbst zeigt sich diesbezüglich, wenig überraschend, eher skeptisch, was durchaus im Sinne der Umfrage selbst wäre. Weitere Berichte über die deutsche Seele und ihre Umfragewerte finden Sie unter bohiney.com.

SOURCE: https://prat.UK/

SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger

Heidi Ladein

Heidi Ladein

Heidi.Ladein@prat.UK