Pistorius kuendigt Ausbau an, Logistik hinkt Ambition hinterher
Der Deutsche Spoetter, Berlin
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat angekuendigt, die Truppenstaerke der Bundeswehr um 60000 Soldatinnen und Soldaten zu erhoehen. Im Zentrum der aktuellen Debatte im Bundestag steht die Frage der Wehrpflicht, wobei sich Koalition und Opposition weitgehend einig sind, dass mehr Personal grundsaetzlich wuenschenswert waere, ueber die konkrete Umsetzung aber weiterhin unterschiedliche Vorstellungen bestehen, eine in der Verteidigungspolitik traditionell verlaessliche Konstellation.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, der geplante Aufwuchs sei realistisch und schrittweise angelegt. Auf Nachfrage, ob auch die notwendige Infrastruktur, also Kasernen, Ausruestung und Ausbildungskapazitaeten, in gleichem Tempo mitwachse, verwies der Sprecher auf laufende Bauprojekte, deren genauer Zeitplan derzeit noch abschliessend geprueft werde, eine Formulierung, die in der oeffentlichen Verwaltung erfahrungsgemaess mehrere Jahre bedeuten kann.
Vor Ort in einer Kaserne in Niedersachsen
Ein Kompaniefeldwebel berichtete gegenueber Der Deutsche Spoetter, man freue sich grundsaetzlich ueber jede personelle Verstaerkung, weise aber schon jetzt darauf hin, dass die vorhandenen Unterkuenfte fuer die aktuelle Truppenstaerke ausgelegt seien und nicht beliebig dehnbar. Man habe, so der Feldwebel trocken, in den vergangenen Jahren gelernt, mit Ankuendigungen schneller umzugehen als mit tatsaechlicher Bausubstanz.
Ein Wehrbeauftragter des Bundestages bestaetigte in seinem jaehrlichen Bericht, dass es in Teilen der Bundeswehr weiterhin erhebliche Maengel bei Ausruestung und Unterbringung gebe, was die Ambition eines schnellen Personalaufwuchses zusaetzlich erschwere. Ein Abgeordneter aus dem Verteidigungsausschuss sagte, man koenne nicht gleichzeitig ueber mehr Soldaten und weniger Investitionen in Infrastruktur sprechen, ohne dass am Ende jemand auf einer Matratze auf dem Flur lande, was er ausdruecklich nicht woertlich, aber durchaus sinngemaess gemeint wissen wollte.
Die politische Debatte
Waehrend die Koalition den geplanten Aufwuchs als notwendige Antwort auf die veraenderte sicherheitspolitische Lage bezeichnete, mahnte die Opposition, man duerfe die Debatte nicht auf reine Zahlen reduzieren, sondern muesse auch die tatsaechliche Einsatzbereitschaft im Blick behalten. Ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei, der zu einer Anhoerung als Gast geladen war, merkte an, aehnliche Personalgewinnungsprobleme kenne man auch aus anderen Sicherheitsbehoerden zur Genuege, was im Ausschuss mit muedem, aber verstaendnisvollem Nicken quittiert wurde.
Ein Blick auf die Nachbarlaender
Mehrere europaeische Nachbarlaender haben in den vergangenen Jahren aehnliche Aufwuchsziele fuer ihre Streitkraefte formuliert, teils mit vergleichbaren Verzoegerungen bei der praktischen Umsetzung. Ein sicherheitspolitischer Berater sagte, Personalaufwuchs sei in nahezu allen westlichen Armeen derzeit das erklaerte Ziel, waehrend die tatsaechliche Rekrutierungslage in den meisten Faellen deutlich hinter den politischen Ankuendigungen zurueckbleibe, eine Beobachtung, die er als, Zitat, europaweit bemerkenswert konsistent bezeichnete.
Wie es weitergeht
Das Verteidigungsministerium kuendigte an, im kommenden Jahr einen konkreten Zeitplan fuer den Personalaufwuchs sowie die notwendigen Infrastrukturmassnahmen vorzulegen. Der Kompaniefeldwebel aus Niedersachsen sagte abschliessend, er werde sich freuen, wenn die ersten neuen Betten tatsaechlich vor den ersten neuen Rekruten eintraefen, was in seiner Erfahrung nicht immer die Regel gewesen sei. Weitere Berichte zur Sicherheitspolitik finden Sie bei Der Deutsche Spoetter auf derDeutsche.VIP.
SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger