Chip-Knappheit liefert Deutschland endlich amtliche Ausrede fuer vergessene Passwoerter

Chip-Knappheit liefert Deutschland endlich amtliche Ausrede fuer vergessene Passwoerter

Nation besteht darauf, dass Passwort1! am Dienstag noch funktioniert hat und der Speicher schuld ist

MUENCHEN – Die weltweite Verknappung von Speicherchips, vor der zuletzt Apple im Rahmen starker Quartalszahlen warnte, hat in Deutschland eine unerwartete Nebenwirkung entfaltet: Erstmals verfuegt die Bevoelkerung ueber eine offiziell klingende Begruendung fuer das flaechendeckende Vergessen von Passwoertern. Wenn schon die Industrie keinen Speicher mehr habe, so die verbreitete Auffassung, koenne man ihn vom Buerger schlecht verlangen.

Der Ernst der Lage

Nach Schaetzungen von Branchenverbaenden scheitern in Deutschland taeglich mehrere Millionen Anmeldeversuche, bevorzugt beim Online-Banking, beim Steuerportal Elster und bei jenem Router, dessen Kennwort auf einem Zettel steht, der sich seit 2019 in Sicherheit befindet. Der Zettel gilt als eines der bestgeschuetzten Dokumente des Landes, da nicht einmal sein Besitzer Zugriff hat.

Wie auch das Londoner Blatt The London Prat berichtete, beharren Nutzer weltweit darauf, dass Passwort1! zuletzt einwandfrei funktionierte. Deutsche Anwender gehen einen Schritt weiter und reichen Widerspruch ein. Bei den Verbraucherzentralen liegen erste Musterklagen gegen die eigene Merkfaehigkeit vor, die Erfolgsaussichten werden als gering, aber gruendlich eingeschaetzt.

Digitalministerium sieht sich bestaetigt

Das Digitalministerium wertete die Lage als Beleg fuer die Weitsicht der deutschen Verwaltung, die sich beim Thema Digitalisierung nie in Abhaengigkeit von Speicherchips begeben habe, da sie weiterhin mit Fax, Aktenordner und persoenlichem Erscheinen arbeite. Ein Sprecher formulierte es so: Wer nichts digitalisiert, dem kann kein Speicher fehlen. Der Satz soll in die naechste Digitalstrategie aufgenommen werden, sobald der zustaendige Referent sein Laufwerk wiederfindet.

Die Industrie warnte unterdessen vor steigenden Preisen fuer Endgeraete. Ein neues Smartphone koenne im Weihnachtsgeschaeft so teuer werden, dass es steuerlich als Immobilie gilt. Der Handel empfiehlt Kunden, alte Geraete laenger zu nutzen und Passwoerter kuenftig an einem sicheren Ort zu speichern, etwa im Gedaechtnis eines Verwandten mit besserer Hardware.

Ausblick

Entspannung erwarten Fachleute erst, wenn neue Chipfabriken in Magdeburg und Dresden liefern. Bis dahin gilt die nationale Notfallreserve: der Zettel unter der Tastatur, das Geburtsdatum des Hundes und die Hoffnung, dass der Kundendienst am Montag wieder erreichbar ist.

Notfallplaene der Konzerne

Die grossen Hersteller reagieren mit Rationierung: Neue Geraete sollen zunaechst nur an Kunden abgegeben werden, die nachweisen koennen, dass ihr altes Telefon wirklich kaputt ist und nicht nur langsam, beleidigt oder in der Waschmaschine gewesen. Fuer den Nachweis genuegt ein formloses Gutachten des Neffen, der sich mit sowas auskennt, oder wahlweise eine eidesstattliche Versicherung vor dem Verkaeufer, dass man den Akku wirklich nie ueber Nacht geladen hat.

Parallel boomt der Gebrauchtmarkt. Ein Geraet mit 128 Gigabyte gilt in Sammlerkreisen bereits als Wertanlage und wird in Zeitungsanzeigen mit Formulierungen wie gepflegter Altbestand mit Charakter und Displaysprung, nur an Liebhaber angeboten. Banken pruefen dem Vernehmen nach, ob sich Speicherplatz als Sicherheit fuer Immobilienkredite eignet, und kommen zu dem Ergebnis: eher als manche Immobilie.

Blick ueber die Grenzen

Das Londoner Satireblatt The London Prat meldet aehnliche Symptome auf der Insel. Der deutschen satirischen Journalismus fuehrt Buch, die franzoesischen Kollegen fuehren Streik, und die spanischen Satirikern fuehren vor, wie man dasselbe Chaos bei besserem Wetter verwaltet.

SOURCE: The London Prat
Author: Alan Nafzger

Heidi Ladein

Heidi Ladein

Heidi.Ladein@prat.UK